Ein Welpe als neues Familienmitglied
zurück
 

Die wohlige Wärme, die zärtliche Zunge der Mutter, die über das Fell leckt, das Zusammenkuscheln und Spielen mit den Geschwistern, der vertraute Geruch des Zweibeiners, der regelmäßig zum Füttern und Streicheln kommt – alles, was das Leben bisher ausgemacht hat, ist mit einem Schlag weg. Stattdessen fremde Menschen, eine unbekannte Umgebung, weder Mutter noch Geschwister antworten auf das Heulsignal, mit dem er sein Rudel ruft. Noch nie in seinem achtwöchigen Leben hat er sich so allein, unsicher und voller Angst gefühlt. Das dürften in etwa die Empfindungen eines Welpen sein, wenn er von seinem Wurf getrennt wird. Allmählich tritt dann an die Stelle seiner ursprünglichen Familie die Bindung zwischen ihm und dem Menschen, in dessen Haus er nun lebt, dieser wird zum Zentrum seiner neuen Hundewelt. Aber vorher muss erst einmal die Umstellung bewältigt werden! Von Hund und neuem Besitzer gleichermaßen. Eines sollte zukünftigen Hundehaltern daher von vornherein klar sein: Ein Welpe ist kein Spielzeug, kein Wesen, das für die Unterhaltung der Menschen da ist, kein Fellknäuel, das man nach Lust und Laune knuddelt und das man in die Ecke stellt, wenn man seine Ruhe haben will. Er ist ein Lebewesen mit existentiellen Bedürfnissen, mit Unsicherheiten und Ängsten, ein Hundekind, das zu 100 Prozent vom Menschen abhängt.

Ohne Bindung keine Sicherheit

Der durch die Trennung von seinem Wurf vereinzelte Welpe ist in dieser Phase psychisch hoch verletzlich und wird für den Menschen zum Schutzbefohlenen“, appellieren auch die Verhaltensforscher Heinz Weidt und Dina Berlowitz in ihrem Buch „Das Wesen des Hundes“ (Natur Buch Verlag) an frisch gebackene Hundebesitzer. „Unser Tun in den ersten Stunden und nächsten Tagen wirkt sich daher nachhaltig auf die Qualität der Bindung und das Wesen des Hundes aus“. So fehlt einem allein gelassenen Hund, der ohne menschliche Bindung aufgewachsen ist, ein Ort der inneren Sicherheit und Zuflucht. So ein Hund ohne Urvertrauen wird in der Folge stets zur Flucht bereit sein und seine chronische Angst versetzt ihn in einen Zustand fortwährender Verteidigungsbereitschaft. Diese Angst kann letztlich zur Grundlage für aggressives Verhalten werden. Die optimalen Bedingungen für ein gesundes Gedeihen des kleinen Vierbeiners müssen aber nicht erst in seinem neuen Heim geschaffen werden. Mindestens ebenso wichtig sind die ersten Lebenswochen mit seinem Wurf. „Die Sozialisation findet zu 80 Prozent noch beim Züchter statt“, betont Tierärztin und Tierverhaltenstherapeutin Dr. nicht nur die Sozialisation mit den eigenen Artgenossen, sondern auch mit den Menschen. Deshalb ist es ganz wesentlich, dass Hunde von Anfang an (Körper)Kontakt mit Menschen haben, im Haushalt möglichst viel erleben und nicht weggesperrt in einem Zwinger aufwachsen. Nora Marx-Dawid aus Wien. Das betrifft nicht nur die Sozialisation mit den eigenen Artgenossen, sondern auch mit den Menschen. Deshalb ist es ganz wesentlich, dass Hunde von Anfang an (Körper)Kontakt mit Menschen haben, im Haushalt möglichst viel erleben und nicht weggesperrt in einem Zwinger aufwachsen.

Vorbereitung auf den Einzug

Der beste Zeitpunkt, einen Welpen in sein neues Heim zu übersiedeln liegt zwischen der 8. und 10. Lebenswoche. Vor Ende der 8. Woche ist eine Trennung vom Wurf sogar gesetzlich verboten. Die meisten Züchter geben Welpen daher in einem Alter von 2 Monaten ab. Wie sollte man den Einzug des neuen Familienmitglieds planen? Zunächst ist es wichtig, vom Züchter eine vertraute Decke, ein Spielzeug etc. mitzunehmen, damit der Welpe durch bekannte Gerüche ein wenig Geborgenheit spürt. Auch die Wohnung muss auf den Neuankömmling vorbereitet werden. Am besten räumt man alles vom Fußboden weg, was nicht zum Kauen bestimmt ist. „Welpen bekommen von ihrer Mama nämlich alles hingelegt, woran sie kauen können. Daher gehen sie davon aus, dass jeder Gegenstand auf dem Boden in ihrer Reichweite ein Kauobjekt ist“, erklärt Dr. Marx-Dawid.

Die erste Nacht

Die erste „Krise“ kommt meist in der ersten Nacht. Man sollte in dieser Nacht das entwurzelte Tier auf keinen Fall allein lassen. „Aber auch nicht mit ins Bett nehmen, wenn man das in Zukunft nicht so handhaben möchte!“ warnt die Tierärztin. Es sollte nämlich stets bedacht werden, dass aus einem kleinen kuscheligen Tier nach einiger Zeit vielleicht ein 40-Kilo-Hund wird… Sie rät, neben das eigene Bett einen Korb oder Ähnliches hinzu- stellen, den man mit Polstern auslegt. Unter dem Polster wird ein altmodischer Tick-Tack-Wecker platziert, dessen rhythmisches Ticken auf den Kleinen beruhigend wirkt. Darüber die Decke mit dem vertrauten Geruch, die man vom Züchter mitgebracht hat. In dieses Bett legt man den Welpen und lässt während der Nacht die eigene Hand dort hineinhängen. Das gibt ihm Nähe und Sicherheit. Allmählich kann man seine Bettstatt dann in der folgenden Zeit auf einen anderen, bleibenden Platz übersiedeln. Generell vermittelt man dem kleinen Lebewesen durch Körperkontakt, Streicheln, zwischendurch Füttern mit der Hand jene Berührungsbehaglichkeit, die zur Entwicklung seiner Sicherheit beitragen.Heinz Weidt und Dina Berlowitz raten in ihrem Buch auch, anfangs unbedingt auf alle natürlichen Bedürfnisse, appellierenden Signale und Aufforderungsgesten des Welpen zu reagieren. Erst später im Laufe seiner zunehmenden Selbstständigkeit muss man zwischen berechtigten Bedürfnissignalen und solchen mit „foppendem“ Charakter unterscheiden.

Wie oft muss der Hund hinaus?
Eines der wichtigsten Bedürfnisse wird gleich zu Anfang für viele Neo-Hundebesitzer zu einer Herausforderung: Der Hund muss hinaus, kann dies aber noch nicht melden. „Gehen Sie daher prophylaktisch insgesamt rund 10mal am Tag mit ihm Gassi“, so Dr. MarxDawid. „Nach jedem Fressen, nach jedem Trinken, während des Spielens und unmittelbar nach dem Aufwachen“. Am besten nimmt man ihn in den Arm und trägt ihn hinaus. „Leint man ihn schon im Haus an, verrichtet er sein Geschäft nämlich unter Umständen bereits drinnen“. Manche Welpen weigern sich, im Freien ihr Geschäft zu verrichten und tun das erst, wenn sie wieder in der Wohnung sind. In so einem Die neue Umgebung verunsichert Welpen zwar, macht sie aber auch Fall rät die Verhaltenstherapeutin dazu, den Vierbeiner nach der Rückkehr in die Wohnung genau zu beobachten. Beginnt er am Boden zu schnüffeln, trägt man ihn sofort wieder ins Freie. Spaziergänge sind vom ersten Tag an sinnvoll. Allerdings darf man das Knochengerüst des kleinen Hundes nicht überfordern. Die Länge des Spaziergangs hängt daher vom Alter ab. Nach einer Faustregel sollte man höchstens eine Minute pro Lebenswoche ohne Pause mit ihm spazieren gehen. Für den Anfang also jeweils 8 Minuten. Dann muss er wieder ruhen.

10 Tage Ruhe vor dem Sturm…
Grundsätzlich sollte der Welpe in den ersten 10 Tagen bei seinem neuen Besitzer Gelegenheit und Ruhe haben, sich an sein neues „Rudel“ und die fremde Umgebung zu gewöhnen. Erst danach sind Aktivitäten angesagt: Freunde treffen, Einladungen, Ausflüge auf einen Bahnhof, zum Flughafen, etc. – je mehr er erlebt, umso besser für seine Entwicklung. Für die Begegnung mit anderen Hunden eignen sich ab der 10. Woche Welpenspielstunden, die dann ab der 16. Woche in die Vorschule und anschließend in die Junghunde-Schule übergehen. Sobald er den vollen Impfschutz hat, ist auch der Kontakt mit (gut erzogenen) erwachsenen Hunden möglich. Doch Vorsicht: Den vermeintlichen Welpenschutz gibt es nicht! Hat das Tier in der Sozialisierung mit anderen Artgenossen aber gelernt, überlegene Hunde zu respektieren und dies in seiner Körpersprache zu zeigen, kommt es normalerweise zu keinen Problemen. „Keinesfalls sollte er an der gestrafften Leine zu einem großen Hund hinziehen“, so Dr. Marx-Dawid. Das signalisiert dem großen eine falsche Körpersprache, der den Welpen dann mehr oder weniger grob zu Recht weist. Die Leine muss bei Begegnungen mit erwachsenen Hunden stets durchhängen.

So lernt der Welpe, allein zu bleiben
Ab wann darf man einen jungen Hund allein lassen? „Das muss sofort geübt werden“, rät die Tierärztin. „Am besten, man geht kurz auf die Toilette, schließt die Tür und ist schon wieder draußen, bevor der Welpe noch zu weinen anfängt. Wichtig ist es, ihn bei der Rückkehr zu ignorieren und nicht zu begrüßen.“ Nur so lernt er, dass Weggehen von Herrli oder Frauli keine Ausnahmesituation ist, sondern etwas Normales, das ihn nicht beunruhigen muss. Langsam kann man die Zeit der Abwesenheit schrittweise steigern: Man trägt den Müll hinunter, geht kurz zur Nachbarin, etc. Aus Sekunden werden dann Minuten. Aber man sollte stets zurück sein, bevor er weint. Alleinbleiben bedeutet für einen Welpen nämlich größten Stress und ist gegen seine Natur. Dr. Marx-Dawid: „Welpen wissen, dass sie sterben, wenn man sie allein lässt. Daher rufen und heulen sie, um dem Rudel zu signalisieren, wo sie sind.“ Auch mit der Erziehung kann sofort begonnen werden. Allerdings Die Sozialisation findet zu 80 Prozent noch beim Züchter statt. nicht mit Verboten, Schimpfen oder Strafen, sondern mit Loben und Belohnen, wenn er (anfangs zufällig) das erwünschte Verhalten zeigt. Fehler sollten ignoriert werden.

Gemeinsame Spiele fördern die Bindung
Eine Grundlage für die enge Bindung zwischen Hund und Mensch stellt auch das gemeinsame Spiel dar. Legen Sie sich zum Vierbeiner auf den Boden, halten Sie aber stets ein Spielzeug zwischen sich und ihm. Sonst werden nämlich Sie angeknabbert. Und das kann sich bei den spitzen Milchzähnchen wie 1000 Nadelstiche anfühlen. Die Therapeutin rät, sofort „Au“ zu sagen, wenn er zubeißt und das Spiel zu beenden. Hört er auf zu beißen, lobt man ihn und spielt ruhiger weiter.
Q:magazinmeinhaustier.at